Garz: Flugplatz

Heringsdorf

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Koordinaten: N535243 E0140907 (WGS84) Google Maps
HNN: 93 ft
Location Indicator: ETHD

Lage Ort

Deutschland im Kalten Krieg
Karte

Im Zweiten Weltkrieg

Nutzung

Fliegerhorst der Luftwaffe.

Situation

Der Flugplatz Garz im Zweiten Weltkrieg auf einer US-Karte aus dem Jahr 1943 - (McMaster University Library Digital Archive, Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 CC BY-NC 2.5 CA /MULDA/)

Übersicht

Der Flugplatz Garz auf einer US-amerikanischen Karte aus dem Jahre 195x - Erkennbar ist das alte System der Start- und Landebahnen, die Gebäude des ehemaligen Fliegerhorstes sowie die Anschlussbahn. Im Süden befindet sich das Stettiner Haff. (AMS M841 GSGS 4414, Courtesy Harold B. Lee Library, Brigham Young University /BYU/)

Im Kalten Krieg

Nutzung

Flugplatz der NVA LSK/LV. Er hatte die Flugplatz-Nummer 2091. Zweitweilige Stationierung von Geschwadern mit Baumaßnahmen auf den Heimatflugplätzen. Nutzung durch die Interflug als "Heringsdorf".

1940er Jahre

Historie

CIA-Bericht vom September 1949

Der Flugplatz Garz (N 54/L 20) liegt zwischen Garz und dem "Haff" und grenzt im Norden an einen Kamm, der den Blick auf das Feld begrenzt. ... konnte nicht in die Nähe des Flugplatzes gehen, da er von Patrouillen der sowjetischen Luftstreitkräfte streng bewacht wurde.
16.08.1949: Gegen 16 Uhr ist eine Formation von vier Jagdflugzeugen bei guter Sicht nach Norden gestartet. Die Flugzeuge landeten wieder nach vierzig Minuten. Bis zum Abend gab es kein Flugbetrieb. Beschreibung der Jagdflugzeuge: Radial-Motor, einziehbares Fahrwerk, elliptische Flügel und abgerundete Flügelspitzen, Leitwerk in der gleichen Form.
18.08.1949: Um 10 Uhr startete ein Doppeldecker U-2 nach Osten. Um 11 Uhr starteten vier Jagdflugzeuge des oben genannten Typs und machten in der Umgebung des Flugplatzes über den Kumulus-Wolken Kunstflug. Ein Doppeldecker landete um 12:10. Um 19 Uhr startete ein Doppeldecker nach Westen. Es gab keinen weiteren Flugbetrieb. Gegen 11 Uhr war für 10 Minuten aus Richtung Usedom (N 54/L 00) schweres Flak-Feuer zu hören.
16. und 18.08.1949 Auf der Straße Ahlbeck - Garz wurden Fahrzeuge beobachtet, die mit sowjetischen Marine-Soldaten besetzt waren.
Anmerkungen
a. ... beobachtete am selben Tag Jagdflugzeuge, die am Flugplatz Garz übten ... die am Flugplatz stationierte Einheit ist unbekannt.
b. Es wurde berichtet, dass die betreffende Jagdfliegereinheit zu den sowjetischen Marinefliegerkräften der Baltischen Flotte gehört.
Quelle: /CIA RDP82-00457R003500540004-4/

CIA-Bericht vom Oktober 1949

Der Flugplatz Garz liegt 2 1/2 km östlich von Zirchow und 2 km südwestlich von Garz. Die nördliche Grenze, 400 Meter vom eigentlichen Platz, ist die abgebaute Eisenbahnlinie Swinemünde-Usedom-Berlin; Wälder markieren ihre südlichen Grenze. Es gibt Wachen an den Hangars und im ganzen Gebiet, und es werden häufige Kontrollen im Bereich Garz-Zirchow durchgeführt.
b. Der gepflegte Grasplatz umfasst eine Nordwest-Südost-Landebahn. 25 m breit und 2 km lang. Am Nordwestrand des Platzes sind betonierte Hangar-Vorfelder.
c. Am Beobachtungstag waren zwei Boston-Douglas-Flugzeuge vor einem geschlossenen Hangar geparkt. Flugplatzarbeiter behaupten, dass der Hangar zwölf selten genutzte Jak-Flugzeuge enthält und dass Übungseinsätze nur einmal alle 4-6 Wochen geflogen werden. Die Einheit wird von Swinemünde versorgt. Während der Nächte vom 12. und 13. August heulten oft Sirenen, aber es gab keine Flugaktivitäten.
d. Der Platz, der für alle Flugzeugtypen geeignet ist, hat eine Peil-(?) Station und Begrenzungslichter. Das Treibstofflager besteht aus mehreren vergrabenen Eisenbahntankwagen. Die Gebäude sind intakt, einige werden überholt.
Anmerkung Der einzige verfügbare Flugplatzführer gibt an, dass die Landebahn in Garz 3.000-4.500 Fuß lang ist.
Quelle: /CIA RDP82-00457R003300440012-1/

CIA-Bericht vom Oktober 1949

1. Der Flugplatz Garz (N 54/L 20), der sich zwischen dem "Haff" und einem Kamm befindet, hat eine parallel zur Küste verlaufende, etwa 2.500 Meter lange Startbahn. So weit wie gesehen werden konnten, waren auf dem Platz drei Hangars und zwei Steingebäude vorhanden.
2. Am 16. August 1949 gab es zwischen 6 und 11 Uhr intensiven Flugbetrieb, meist örtliche Flüge. Neben einem Doppeldecker und einem schnellen Jagdflugzeug waren die meisten beobachteten Flugzeuge zweisitzige Tiefdecker mit abgerundeten Flügelspitzen und Reihenmotor.
3. Während zweistündiger Beobachtung wurden zehn ausfahrende und fünf einfahrende Kraftfahrzeuge ... am Flugplatztor beobachtet ... Der Flugplatz war Einheiten der sowjetischen Luftstreitkräfte und Marine belegt.
Anmerkung Der Flugplatz Garz war vorher nicht als belegt bekannt. Frühere Berichte gaben Anlass zu der Annahme, dass der Platz den sowjetischen Marinefliegern der Ostseeflotte zugewiesen ist. Nach diesem Bericht muss davon ausgegangen werden, dass entweder eine Trainingseinheit für Jagdpiloten oder eine Bodenangriffseinheit am Flugplatz Garz stationiert ist.
Quelle: /CIA RDP82-00457R003400380008-9/

1950er Jahre

1970er Jahre

Situation

Der Flugplatz Garz auf einer Karte des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 1972 - (ONC E-2 (1972), Perry-Castañeda Library Map Collection, University of Texas at Austin /PCL MC/)

Luftraum

Luftstraße W-6 Friedland - Heringsdorf, Stand Mitte der 1970er Jahre

Die Mittellinie der Luftstraße W-6 führte über die Funknavigationsanlagen NDB Friedland (N534611 E0133456) und NDB Heringsdorf (N535234 E0141103).
Luftstraßenbreite: 7 km.
Höhenbereich:
- Beim Einflug in die Luftstraße A4: obere Grenze 3050 m STD, untere Grenze 1850 m STD
- Beim Einflug in die Flughafenkontrollzone: obere Grenze 1500 m, untere Grenze 600 m AGL.

Zivile Kontrollzone des Flugplatzes Heringsdorf Stand Mitte der 1970er Jahre

Seitliche Begrenzung: Ahlbeck - Lubin - Rieth - Usedom - Ahlbeck. Es gab verschiedene Höhenbereiche: 0 m bis 1500 m AAL, 0 m bis 1200 m AAL und 0 m bis 800 m AAL.
Die Kontrollzone hatte nur während des Saisonbetriebs oder bei bestätigten Sonderflügen Gültigkeit. Der Flughafen hatte keinen Nahbereich.

1980er und frühe 1990er Jahre

Übersicht

Der Flugplatz Garz auf einer Karte im "Verzeichnis 012" der ehemaligen NVA aus der Wendezeit (ehemals "Geheime Verschlußsache") - Handgezeichnete Karten waren im Ostblock durchaus üblich. Zu erkennen ist die Lage mit den Ortschaften Zirchow, Garz und Kamminke. Östlich von Kamminke ist die Grenze zu Polen (hier nicht sichtbar). Der Flugplatz hat eine befestige Start- und Landebahn von 2300 m Länge. Der Rollweg nördlich davon steht mit 2000 m ebenfalls als Piste zur Verfügung. Nordwestlich und südöstlich sind die Nahfunkfeuer als mit Punkten gefüllte Kreise bzw. Ellipsen (Nahmarker) eingezeichnet.
Startbahn und Rollwege zum Start (gestrichelte Linien) und nach der Landung (durchgezogene Linien) - ebenfalls aus dem Verzeichnis 012 - Rollwege wurden im Warschauer Pakt mit Nummern bezeichnet.

Start- und Landebahnen

Angaben für das Jahr 1990:
  • 11/29: 2300 m x 35 m Bitumen
  • 11/29: 2000 m x 50 m Grasbahn nördlich der Bitumenbahn
  • 11/29: 1900 m x 35 m Rollweg 3 (heute Rollweg D) als Notstartbahn

Funkfeuer

Angaben für das Jahr 1990:
Die Kennungen der Funkfeuer wurden, wie im Warschauer Pakt üblich, aus dem ersten und letzten Buchstaben des Rufzeichens abgeleitet (GESETZ). Für Garz wurde ein Rufzeichen gewählt, bei dem diese Buchstaben mit dem Ortsnamen (Garz) übereinstimmen. Das war aber nur selten der Fall.
  • FFF 29: 679,5 "GZ", 4200 m
  • NFF 29: 330,0 "G", 610 m
  • KRM/GRM 29: Kanal 38
  • FFF 11: 679,5 "ZG", 4160 m
  • NFF 11: 330,0 "G", 1160 m

Radar

1989: ASR/PAR

Flugfunk

Das Rufzeichen war GESETZ.

Standardflugstrecken

"Flüge der LSK/LV der NVA und der LSK der GSSD im Rahmen der Gefechtsausbildung sind entsprechend der Grafik der Flugtage / -nächte auf der Grundlage der "Hauptflugregeln zum Fliegen im Luftraum der Deutschen Demokratischen Republik" auf Standardflugstrecken in den dazu festgelegten Flughöhen durchzuführen. ..." (Quelle: "Verzeichnis der Standardflugstrecken der LSK/LV der NVA und der LSK der GSSD")
Stand 1989:
Der Flugplatz Garz hatte die Anmeldungsnummern 640-659.
642 Garz, Leopoldshagen, Neubrandenburg, Alt Schönau, Poggendorf, Garz
Flughöhe: 100 ... 2450 m (unter SWB 5500 m, 6100 m)
Höheneinnahme: Leopoldshagen
Höhenaufgabe: Traverse Wolgast
Abfangabschnitt: Leopoldshagen, Traverse Wolgast
(nach Abstimmung mit VHZ)
644 Garz, Bergen, Dranske, 54°37' n.B., 12°29' ö.L., 54°24' n.B. 12°12' ö.L., Rechtskurve, 54°37' n.B. 12°29' ö.L., Putgarten, 54°03'30'' n.B. 14°10'30'' ö.L., Garz
Flughöhe: 300 ... 10650 m
Höheneinnahme: 54°43' n.B. 12°45' ö.L., 54°37' n.B. 12°29' ö.L.
Höhenaufgabe: Traverse Sassnitz
Abfangabschnitt: 54°37' n.B., 12°29' ö.L., 54°24' n.B. 12°12' ö.L.
646 Garz, Bergen, 54°47' n.B., 13°17' ö.L., 54°40' n.B. 14°30' ö.L., 54°03'30'' n.B. 14°10'30'' ö.L., Garz
Flughöhe: 300 ... 10650 m
Höheneinnahme: Traverse Dranske
Höhenaufgabe: Greifswalder Oie
Abfangabschnitt: Bergen, 54°40' n.B. 14°30' ö.L.
648 Garz, Bergen, Schwaan, 54°53' n.B., 14°00' ö.L., 54°40' n.B. 14°30' ö.L., 54°03'30'' n.B. 14°10'30'' ö.L., Garz
Flughöhe: 10050 m, 10650 m
Höheneinnahme: Traverse Franzburg
Höhenaufgabe: 54°40' n.B. 14°30' ö.L.
Abfangabschnitt: Schwaan, 54°40' n.B. 14°30' ö.L.
649 Garz, Bergen, Schwaan, 54°53' n.B., 14°00' ö.L., 54°40' n.B. 14°30' ö.L., 54°03'30'' n.B. 14°10'30'' ö.L., Garz
Flughöhe: 11000 ... 18000 m
Höheneinnahme: Traverse Franzburg
Höhenaufgabe: 54°53' n.B. 14°00' ö.L.
Abfangabschnitt: Kühlungsborn, 54°53' n.B. 14°00' ö.L.
650 Garz, Bergen, Schwaan, 54°47' n.B., 13°17' ö.L., 54°03'30'' n.B. 14°10'30'' ö.L., Garz
Flughöhe: 100 ... 6100 m
Höheneinnahme: Bergen
Höhenaufgabe: Traverse Greifswalder Oie
Abfangabschnitt: Bergen, Traverse Greifswalder Oie

Einheiten

Feldflugplatzkommando 9 (FFlpK-9) (PF 65277)

Liegenschaften

Objekt-IdObjektFlächeUnterkünfteAdresse
01/913Flugplatz289,2 ha955
01/922Funkfeuer74,2 ha
01/926Funkfeuer2,5 ha
01/932Funkfeuer1,0 ha
01/934Funkfeuer1,0 ha
01/935Funkfeuer1,0 ha

Heute

Nutzung

Zivilflugplatz (EDAH).

Links

Literatur

  • Ries, Karl; Dierich, Wolfgang: "Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe" Motorbuch Verlag Stuttgart, 1993 - Alliierte Planskizze
  • Grenzdörfer, Joachim; Seifert, Karl-Dieter: "Geschichte der ostdeutschen Verkehrsflughäfen" Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1997 - 8 Seiten Beschreibung, Pläne, Luftbild 1994
  • Freundt, Lutz (Hrsg.), Büttner, Stefan: "Rote Plätze - Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945 - 1994" AeroLit Verlag, 2007 - Kurze Beschreibung, Luftbild 1953
  • Kanetzki, Manfred: "MiGs über Peenemünde" AeroLit - Verlag und Medienvertrieb, Diepholz (2001) - Kurze Beschreibung, einige Bilder
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