Alteno: Flugplatz

Luckau

Nur zur geschichtlichen Information, nicht zur Navigation oder zum Fliegen verwenden!
Koordinaten: N515203 E0134655 (WGS84)
Karte: Google Maps
HNN: 62m / 203 ft

Lage Ort

Ehemalige DDR, Bezirk Cottbus;
heute Bundesland Brandenburg.
Deutschland im Kalten Krieg

Im Zweiten Weltkrieg

Nutzung

Der Platz wurde in den 1930er Jahren eröffnet und diente als Fliegerhorst der Luftwaffe

Situation

Der Flugplatz Alteno als "Luckau" im Zweiten Weltkrieg auf einer US-Karte aus dem Jahr 1944 - (McMaster University Library Digital Archive, Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 CC BY-NC 2.5 CA /MULDA/)

Im Kalten Krieg

Nutzung

In der DDR diente er als Dezentralisierungsflugplatz bzw. Feldflugplatz für das Jagdgeschwader 1 (JG-1) der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV) der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA). Besonderheit: es war einer der wenigen Dezentralisierungsflugplätze in der DDR, die eine durchgehend befestigte Start- und Landebahn besaßen.

1960er Jahre

Historie

1966: Beobachtung der US-Militärverbindungsmission: Schwere Flugplatz-Bauarbeiten begannen an der natürlichen Oberfläche bei Alteno und setzten sich über das ganze Jahr fort. /USMLM 1966/

1970er Jahre

Situation

Der Flugplatz Alteno auf einer Karte des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 1981 - (ONC F-2 (1981), Perry-Castañeda Library Map Collection, University of Texas at Austin /PCL MC/)

Weitere Infos

Alteno im Jahr 1978

Die folgenden Informationen schickte Herr Buchholz, damals Unteroffizier Truppführer für Nachrichtenfunkstation R-831. Vielen herzlichen Dank!
Personalbestand:
  • 12 - 15 Soldaten, 3 Unteroffiziere, einen Hauptfeldwebel und einen Offizier (Leutnant)
  • Wachpersonal von ca. 12 - 15 Soldaten für die einzelnen Objekte Muni-Bunker, Tanklager und Hauptobjekt
  • Personal für Wartung der Landebahnbeleuchtung und Scheinwerfer
  • Einen Koch für die Versorgung des Personals
  • Flugplatzleiter war ein Leutnant.
Es war alles ständig in Gefechtsbereitschaft. Wir hatten für alles Normzeiten. Die Normzeiten wurden täglich und ständig getestet. Flüge gab es nur, wenn Cottbus nach Alteno verlegt hat.
1977 wurde die MiG-23 von den Russen in Alteno getestet. Dabei ging es um den Test der Abfangnetze. Es waren ca. 10 russische Angehörige vor Ort.

Test Fanganlage 1979

Bernd Kahl - Gefreiter der Reserve - erinnert sich an seine Zeit in Alteno (auch an dich einen herlichen Dank!):
Ich leistete meinen Grundwehrdienst bei der NVA vom Mai ´78 bis Oktober ´79 als Funker bei der Flugsicherstellung der 1. LVD ab. Bis Ende ´78 war ich auf dem Flugplatz Drewitz/Süd stationiert und wurde im Januar ´79 nach Alteno abkommandiert, weil aufgrund des Fanganlagentests erhöhter Wachmannschaftsbedarf bestand. In Alteno war ich von Mitte Januar 1979 bis irgendwann im Mai. So lange dauerten auch die Tests.
Der Test der Fanganlage fand also erst ab frühestens Januar ´79 statt, es sei denn, es gab zwei Tests. Am Test nahmen teil eine MiG-21 (oder ähnliches Modell) der NVA und eine MiG-23 unserer „sowjetischen Bruderarmee“! Erstere wurde mit demontierten Flügeln per Tieflader herangekarrt. Ich weiß auch davon, dass Fahrzeuge der alliierten Besatzungsmächte dies beobachtet haben (1978?). Die MiG-23 wurde durch einen russischen Piloten ohne jegliche Funk- oder Lichtbefeuerung gelandet. Er überflog die Piste nur je einmal links sowie rechts abgekippt und landete dann.
Beide Maschinen wurden in einem Wartungszelt untergestellt und instand gehalten, das auf der gemeinsamen Boxenzufahrt für die Boxen 1 und 2 stand. Dieses war mit einem eigenen Postenbereich abgesichert.
Die Postenbereiche waren:
  1. Wachlokal (für Objekt)
  2. Bombenlager
  3. Tanklager
  4. Reparaturzelt
  5. Längsflanke des Platzes im Wald gegenüber Objekt
Erstere drei waren eingezäunt, die beiden anderen wurden ´beschrieben´.
Gegner im eigentlichen Sinne gab es natürlich nicht, auch keine Neugierigen. Wir wurden nur ermahnt, das Auftauchen alliierter Fahrzeuge sofort zu melden und ansonsten außer Beobachten nichts zu tun. Besagte hatten übrigens nur den Transport "begleitet".
Während dieser Zeit waren geschätzt folgende Personen dort:
  • Stammpersonal: 25 - 30 (inkl. Offiziere)
  • Aufstockung: ca. 30
  • Sowjetisches Militär: 5
  • Firmenmonteure: 10
Unterbringung:
  • 2 Zimmer in der Hauptbaracke: Wachpersonal (wo sich auch Küche befand)
  • Zweite Baracke: Monteure; sowjetisches Militär; Zusatzoffiziere
  • 2 Mannschaftszelte: Stammpersonal bzw. Speisezelt
  • 1 "Ziehharmonika-Baracke": Zusatzpersonal

Die getestete Fanganlage habe ich genauso in Erinnerung, wie sie auf dem verlinkten Foto zu sehen ist. Die technische Leitung des Tests hatte übrigens die Herstellerfirma der Flugzeugwerft in Dresden-Klotzsche.

1980er und frühe 1990er Jahre

Übersicht

1, 2, 3Nummer des Rollwegs
(1)Abstellplatz 1 mit Strahlabweiser (für Kampfflugzeuge und schwere Transportflugzeuge), Breite 160 m
(1a)Abstellplatz 1a mit Spurbahnen (für Kampfflugzeuge)
(2)Abstellplatz 2 (für Hubschrauber), Breite 300 m
(3)Abstellplatz 3 (für leichte Transportflugzeuge), Breite 150 m
(4)Dezentralisierungsplätze mit Box-Nr
(5)Weitere Dezentralisierungsmöglichkeiten
(6)Erdbremsfläche 200m x 260m
(7)Erdbremsfläche 200m x 250m
(8)Flugplatzverwaltung
(9)Kfz
(10)Landescheinwerfer
(11)Mobiler Kontrollturm (Start-Kommando-Punkt SKP) und Flugwetterwarte
(12)Tanks
Platz für Munitionierung: Abstellplatz 1 Richtung 30° zur SLB-Achse
Platz für Entmunitionierung: Dez.-Raum, Box Nr. 7, Richtung 180°

Start- und Landebahnen

1986:
  • 09/27: 2350 m x 37,5 m Bitumen
  • 09/27: 2300 m x 40 m Gras
Die SLB hatte eine Tragfähigkeit von 300 kp/cm2. Die Erdbremsflächen befanden sich jeweils 25 m von den Landebahnschwellen entfernt. Die Rollbahn Nr. 3 hat eine Breite von 11,25 m.
Die Höhen der Schwellen über NN betrugen: Schwelle Ost 62,49 m und Schwelle West 61,74 m.
Bis zur Wende:
Im Grundsatz dürfte sich seit 1986 bis zur Wende nicht viel verändert haben. 1989 werden die Start- und Landebahnen mit 08/26 bezeichnet. Die Abmessungen der Graspiste waren mit 1800 m x 50 m angegeben.

Befeuerung

SLB und die Rollbahnen haben keine Farbmarkierung; beiderseitig der SLB stehen Markierungselemente (Prismen 0,7 m hoch und 0,6 m breit) in einem Abstand von 200 m; die Landebahnschwellen sind nicht nummeriert; SLB und Rollwege verfügen über Randleuchten. Die Notlandebahn ist rechts und links durch Gummileitkegel (rot/weiß) markiert, der Abstand beträgt 200m. Die Einflugschneisen sind nicht markiert.
Für das Jahr 1986 sind diese lichttechnischen Anlagen für Alteno ausgewiesen:
- Codeleuchtfeuer KNS 8 e
- Lichtlandeanlage LLA
- Ringrollbahnbefeuerung MLOKp
- Notlandebahnbefeuerung R 15
- 4 Landescheinwerfer ARM-90
1989 sind die Einrichtungen unter einer Befeuerungsanlage SP-2 zusammen gefasst, die in Hauptlanderichtung aufgebaut ist.

Funkfeuer

  • FFF 27: 444,5 "AO", 4550 m zur Schwelle 27, Typ: Par 8ss mit MR 48
  • NFF 27: 317 "A", 1000 m zur Schwelle 27, Typ: Par 8ss mit MR 48
Die Kennungen wurden wie im Warschauer Pakt üblich aus dem ersten und letzten Buchstaben des Rufzeichens "ARNO" abgeleitet.
Fernfunkfeuer und Nahfunkfeuer arbeiteten teilautomatisiert (TAFS). Die Einschaltzeit betrug 20 min.

Radar

Für Radar-Unterstützung im Flugleitbereich war die Funktechnische Kompanie 413 (FuTK-413) Taubendorf vorgesehen.

Flugfunk

Das Rufzeichen des Flugplatzes war "ARNO". Wie bei vielen Dezentralisierungsflugplätzen stimmten erster und letzter Buchstabe mit denen der Ortsbezeichnung überein (ARNO - ALTENO). Das Rufzeichen des Flugleiters war "ARNO-START", das des Peilers "ARNO-PELENG".
Der Peiler befand sich nicht - wie sonst üblich - am 1000m-Punkt, sondern am Flugplatz.
Ausstattung im Jahre 1986:
- Flugleiter: 2 Fungeräte R 831/24
- Steuermann v. Dienst: 1 Funkgerät R 801
- UKW-Peiler ARP-6 mit Funkstation R 824

Telefon

Telefonisch war der Platz u.a. über den Postanschluss 2098 im Amt Luckau angebunden.

Karten

Die nachfolgenden Karten stammen aus der "Ordnung zum Fliegen auf dem Dezentralisierungsflugplatz ALTENO" von 1986. Dieses Dokument war "Vertrauliche Verschlußsache" und beinhaltete die Regeln zum Betrieb des Flugplatzes. Die Karten zeigen einen Teil der Anflugverfahren (zum Vergrößern bitte anklicken).
Platzrunde von Alteno in Hauptlanderichtung
Platzrunde von Alteno in Nebenlanderichtung
Anflug über das System OSP (Nutzung des Fernfunkfeuers) für Hauptlanderichtung
Anflug über das System OSP (Nutzung des Fernfunkfeuers) für Nebenlanderichtung

Einheiten

Der Flugplatz gehörte seit vielen Jahren zum Jagdgeschwader 1 (JG-1). In diesem Rahmen wurde der Platz 1989 vom Feldflugplatzkommando 1 (FFpK-1, Postfach 44112) betrieben.

Einrichtungen

Der Flugplatz hatte die NVA-Objektnummer 06/005. Die Grundfläche betrug 273,4 ha und die Unterkunftskapazität war mit 116 angegeben. Das Gelände war nicht umzäunt

Bilder

Die nachfolgenden Bilder stammen von einem Besuch des Flugplatzes im Jahre 1990
Das Bild wurde nördlich der Start- und Landebahn mit Blick in Richtung SW aufgenommen. Es zeigt den mit einem Tarnnetz überzogenen SKP sowie Antennen und einen Windsack (Position 11 auf der Karte).
Start- und Landebahn ungefähr auf Höhe des SKP mit Blickrichtung West. Deutlich sichtbar ist die fehlende Markierung der Bahn. Die weißen Punkte auf der rechten Seite sind Lichter der Bahnbefeuerung. Etwas links von der Bildmitte sind die Verwaltungsgebäude zu erkennen.

Heute

Nutzung

Seit der Wende ist der Platz geschlossen. Zeitweise wurde das Gelände für die "Mehrzweckanlage-Luckau" (MZA-Luckau) genutzt, auf der Autorennen und andere Veranstaltungen durchgeführt werden. Solarpark.

Links

1945-199x

  • Ausbildungsjahr 1966/67 - Kurzbeschreibung zum Unfall einer MiG-17F in Alteno im Jahre 1967
  • Ausstattung des Verlegeflugplatzes Alteno - Fotos und Beschreibung zum Munitionsbunker der NVA in Alteno
  • Verlegung zum Feldflugplatz Alteno - Bericht über Verlegungen nach Alteno durch das JG-1 vom Cottbus: Flugplatz und Holzdorf: Flugplatz
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1969 - Notiz der US-Militärmission über den Ausbau des Flugplatzes Alteno mit Tank- und Munitionslagern.
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1971 - Notiz zur Aufklärung von unterirdischen Tankanlagen in Alteno am 20.05.1971 durch die US-Militärmission. Da Alteno als ein "sod field" bezeichnet wird, besteht zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch keine durchgehend befestigte Landebahn.
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1975 - Notiz und Foto zu Schutzbauten, die sich in Alteno in Bau befinden und am 11.12.1975 von einem Team der US-Militärmission aufgeklärt wurden.
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1978 - Kurze Notiz zur Beobachtung einer Verlegung von MiG-21 nach Alteno am 20.06.1978 durch die US-Militärmission.
  • Die Flugzeugnotfanganlage ATU-G/1A - Videos zur Erprobung in Alteno 1977 mit MiG-21 und MiG-23

199x bis heute

Literatur

bis 1945

  • Ries, Karl; Dierich, Wolfgang: "Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe" Motorbuch Verlag Stuttgart, 1993 - Enthält u.a. eine Planskizze der Alliierten aus dem zweiten Weltkrieg

1945-199x

  • Michels, Jürgen; Werner, Jochen: "Luftfahrt Ost 1945-1990" Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1994 - Zeigt eine MiG-23 bei der Erprobung einer Flugzeugfanganlage in Alteno
  • /USMLM 1966/:
    United States Military Liaison Mission: "Unit History 1966"
  • Bußmann, Kleest, Freundt: ""11-80, katapultieren Sie!"" AeroLit - Verlag und Medienvertrieb, Berlin, 2004 - Foto einer MiG-17, die 1967 bei der Landung in Alteno zerstört wurde
  • Banach, Bußmann, Girke, Meißner, Willisch, Freundt: "MiG, Mi, Su & Co." AeroLit - Verlag und Medienvertrieb, Berlin, 2002 - Foto einer MiG-17 in Alteno
  • Billig, Detlef; Meyer, Manfred: "Flugzeuge der DDR, IV. Band" TOM Modellbau, Friedland, 2004 - Farbfotos von der Erprobung einer Flugzeugfanganlage mit MiG-23 im Jahr 1979

Flugplätze in der Umgebung

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